Schadensersatz bei Unfall nach Überfahren der Wartelinie einer Ampel

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Schadensersatz bei Unfall nach Überfahren der Wartelinie einer Ampel

(red/dpa). Wer aus einer Parklücke auf eine Straße fährt, haftet bei einem Unfall. Und zwar auf Schadensersatz, wozu auch die Anwaltskosten gehören. Haftet man auch, wenn man zwischen der Wartelinie und einer möglicherweise roten Ampel auf die Straße fährt?

Der spätere Kläger behauptete, die Ampel sei grün gewesen, der andere Autofahrer das Gegenteil. Darauf kam es aber gar nicht an. Die Wartelinie empfiehlt lediglich dem Wartepflichtigen zu warten. Sie ändert aber nichts daran, dass er gegenüber einem auf die Straße auffahrenden Fahrzeug Vorfahrt hat. Darüber informiert die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) und verweist auf eine Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 8. Oktober 2015 (AZ: 385 C 540/15 (70)).

Welche Bedeutung hat die Wartelinie an einer Ampel?

Bei dem Fall ging es um einen Unfall zwischen der Wartelinie an einer Ampel und der Ampel selbst. Der eine Fahrer war dabei, von rechts aus einer Parkbucht auf die Straße aufzufahren, als es zum Unfall kam. Die Parkbucht befand sich zwischen der Wartelinie und der Ampel. Die Wartelinie war etwas von der Ampel versetzt. Auch stand dort das Schild „Bei Rot hier halten“.

Der ausparkende Fahrer meinte, es sei Rot gewesen, und es sei nur zu dem Unfall gekommen, weil der andere Fahrer die Wartelinie einfach überfahren und nicht gehalten habe. Dieser meinte, es sei Grün gewesen.

Der beklagte Fahrer fuhr mit seiner vorderen linken Front in die Seite des anderen Wagens. Vom Schadensersatz zahlte die Versicherung des Beklagten 50 Prozent. Der Kläger machte den Rest des Schadens geltend sowie die Sachverständigen- und Anwaltskosten.

Urteil: Volle Haftung für aus Parklücke Kommenden

Das Gericht verurteilte den ausparkenden Fahrer, den kompletten Schadensersatz zu zahlen. Dabei wies das Gericht ausdrücklich darauf hin, dass es unerheblich sei, welche Farbe die Ampel gezeigt hatte.

Eine Wartelinie an einer Ampel sei immer eine Empfehlung zu warten. Sie ändert aber nichts an der grundsätzlichen Vorfahrt desjenigen, der auf der Straße fährt. Auch wenn der Abstand zwischen der Linie und der Ampel größer ist, kann man nicht einfach auf die Straße fahren.

„Der Beklagte war daher gehalten, durch ständigen Sichtkontakt zu überprüfen, ob der Kläger tatsächlich auf seine Vorfahrt verzichtet.“ Auch sprach gegen ihn, dass er mit seiner vorderen rechten Seite in die Seite des anderen Wagens fuhr.

 

 

Unfallopfer erhält auch Anwaltskosten erstattet

Es war also richtig, dass sich der Mann nicht mit 50 Prozent zufriedengegeben hat. Sein Anwalt hat mehr für ihn rausgeholt. Vor der Klage hatte er der gegnerischen Versicherung noch eine letzte Frist zur Zahlung gesetzt.

Die Anwaltskosten gehören auch zum Schadensersatz. Unfallopfer sollten daher immer anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen. Man spart Ärger und erhält Informationen über sämtliche Ansprüche. Erwartungsgemäß informiert nicht die gegnerische Versicherung über sämtliche Ansprüche, für die sie haftet. Man muss seine Ansprüche selbst geltend machen. Damit sind Betroffene alleine überfordert.

Quelle: www.verkehrsrecht.de

 

09.12.2016 (Nummer red/dpa)
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