Verkehrsrecht

MPU

Der Führerschein ist weg? So bekommen Sie ihn wieder.

Wem die Fahrerlaubnis entzogen wurde, zum Beispiel, weil Sie infolge Alkohols absolut fahrunfähig waren, Drogen konsumiert oder mehr als 8 Punkte in Flensburg angesammelt haben, dann müssen Sie – gegebenenfalls nach Ablauf einer vom Gericht oder durch das Gesetz bestimmten Sperrfrist – die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beantragen. Dies geschieht bei der Führerscheinstelle und ist immer schon 3 Monate vor Ablauf der Sperrfrist möglich. Von einem Verkehrsanwalt, aber auch von der Führerscheinstelle erfahren Sie dann, ob Sie zur Wiedererlangung des Führerscheins eine MPU absolvieren müssen – d.h. ob Sie zu einem Idiotentest müssen.

Expertentipp:

Jeder, der mit Alkohol und Drogen im Straßenverkehr auffällig wird oder ein stattliches Punktekonto angesammelt hat, sollte sich so früh und so schnell wie möglich in die Hände eines Verkehrsanwalts begeben, um sich rechtzeitig darüber zu informieren, ob eine MPU droht und um dann genug Zeit für eine MPU-Vorbereitung zu haben.

Idiotentest? Was ist eine MPU eigentlich genau?

MPU steht für „medizinisch-psychologische Untersuchung“ und wird immer dann angeordnet, wenn die Führerscheinstelle – aus welchem auf Tatsachen basierenden Grunde auch immer – Zweifel anmeldet, ob ein Autofahrer zum Führen von Kraftfahrzeugen im Straßenverkehr körperlich oder charakterlich geeignet ist. Diese Zweifel muss der Autofahrer durch ein MPU- Gutachten ausräumen. Das ist bei Alkohol- und Drogenkonsum sowie Medikamentenmissbrauch der Fall. Bei Alterserscheinungen, Krankheiten und Gebrechen bzw. fehlenden Gliedmaßen etc. geschieht das durch ein rein medizinisches oder fahrtechnisches Gutachten. Auch hier kann der Verkehrsanwalt bei der Auswahl des Gutachters entscheidend beratend zur Seite stehen.

Wann Sie auf jeden Fall mit einer MPU rechnen müssen und was Sie erwartet.

Wenn es um charakterliche Eignungsmängel geht, also stets bei Alkohol und Drogen im Straßenverkehr, wird immer die medizinisch psychologische Untersuchung, kurz MPU, angeordnet. Das gilt ferner bei Erreichen oder Überschreiten von 8 Punkten in Flensburg.

Was Sie bei einer MPU erwartet.

Die medizinisch-psychologische Untersuchung unterteilt sich in drei Abschnitte: einem Reaktions- bzw. Konzentrationstest, eine ärztliche Untersuchung und ein psychologisches Gespräch. Insgesamt dauert eine Untersuchung gut 3 – 4 Stunden.

  1. Reaktions- und Konzentrationstest: Dieser Test sollte eigentlich keine Schwierigkeiten darstellen. Sollten Sie dennoch schlecht abschneiden, erfolgt eine Prüfung des Fahrverhaltens durch einen speziellen Gutachter und/oder einen Fahrprüfer.
  2. Ärztliche Untersuchung: Hierbei handelt es sich um eine körperliche Untersuchung durch einen Verkehrsmediziner. Dabei wird auch über Ihre Erkrankungen und Medikationen gesprochen, die sich auf Ihre Fahrtüchtigkeit auswirken können. Bringen Sie zu dieser Untersuchung Medikamente oder Beipackzettel mit, die Sie einnehmen.
  3. Psychologisches Gespräch: Dies ist der wichtigste Teil der MPU und dauert in der Regel eine Stunde. Ein Verkehrspsychologe befragt Sie in einem persönlichen Gespräch nach Ihrer Einstellung zu Ihrem Fahrverhalten. Auf dieser Grundlage wird dann ermittelt, inwieweit Sie Ihre Fehler einsehen und Ihr Verhalten dementsprechend geändert haben.

 

Was Sie nach einer Aufforderung zur MPU tun müssen.

Wenn Sie von der Führerscheinstelle zur MPU aufgefordert werden, sind folgende Schritte zu beachten:

  1. Die MPU kann nur in einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) durchgeführt werden. Sie erhalten eine Aufforderung, aus einer Liste mit Vorschlägen eine Begutachtungsstelle zu wählen. In der Auswahl sind Sie bundesweit völlig frei. Ihnen kann keine bestimmte Begutachtungsstelle vorgeschrieben werden.
  2. Ihre Akte wird zu der von Ihnen ausgewählten Begutachtungsstelle geschickt.
  3. Nach Eingang Ihrer Akte erhalten Sie per Post von der Begutachtungsstelle weitere Informationen sowie eine Zahlungsaufforderung für die MPU.
  4. Erst nach erfolgtem Zahlungseingang wird Ihnen ein Termin für Ihre MPU zugewiesen.

Expertentipp:

Spätestens wenn Sie zur MPU aufgefordert werden, ist schnelle und gute Hilfe gefragt:
Wenden Sie sich unbedingt sofort an Ihren Verkehrsanwalt. Denn nicht immer ist eine Führerscheinstelle wirklich berechtigt, eine MPU einzufordern. Oft ist die ganze Anforderung rechtswidrig, oft reicht auch nur ein rein medizinisches Gutachten. Auch erfahren Sie von Ihrem Rechtsbeistand, welche Schritte Sie wann gehen müssen und welche Vorbereitungen zu treffen sind.

Mit welchen Kosten Sie bei einer MPU rechnen müssen.

Die Kosten für eine MPU sind gesetzlich geregelt und richten sich nach der angeordneten Maßnahme. Die Kosten von MPU-Gutachten liegen dabei zwischen 350 und 750 Euro.
Gut zu wissen: Das Entgelt muss in jedem Fall vor der Untersuchung bei der Begutachtungsstelle eingehen, eine Ratenzahlung nach Abschluss der MPU ist leider nicht möglich.

Warum eine Vorbereitung wirklich notwendig ist.

Wer zu einer MPU verpflichtet wurde, sollte auf keinen Fall unvorbereitet in die Untersuchung gehen. Schließlich müssen Sie glaubhaft nachweisen, dass Sie sich mit Ihren Fehlern auseinandergesetzt und Ihre Einstellung bzw. Verhalten geändert haben. Und das klappt am besten, wenn Sie sich auch wirklich ausführlich und über einen gewissen Zeitraum hinweg und möglichst unter fachkundiger Begleitung mit diesen Fragen beschäftigt haben.

Suchen Sie zur Vorbereitung unbedingt professionelle Hilfe, wie zum Beispiel durch einen Verkehrspsychologen oder verkehrspsychologische Einrichtungen. Die Kosten für ein Beratungsgespräch liegen bei ca. 100 Euro, Gruppenmaßnahmen kosten ca. 600 bis 800 Euro, verhaltenstherapeutische Einzelgespräche ca. 1000 Euro.

Aber wie sollen Sie nur den richtigen Vorbereiter finden? Grundsätzlich sollte er Diplompsychologe, möglichst Fachpsychologe für Verkehrspsychologie sein oder einen Master in Psychologie vorweisen können. Zudem muss er über eine verkehrspsychologische Ausbildung nach §70 FeV bei einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle verfügen. Vertrauenswürdige Kontakte finden Sie u.a. auf der Homepage der Bundesanstalt für Verkehrswesen unter bast.de/DE/Verkehrssicherheit/Fachthemen/MPU/MPU-Start).

Expertentipp:

Grundsätzlich gilt: Keine MPU gleicht der anderen. Wer sich also auf seine Untersuchung bestmöglich vorbereiten will, sollte genau wissen, worauf er sich speziell und individuell vorbereiten muss. Deshalb sollten Sie ganz genau überlegen, ob eine Gruppensitzung für Sie wirklich von Wert ist oder ob Sie nicht doch besser in Einzelunterricht investieren sollten, um ganz sicher zu gehen. Auf jeden Fall sollten Sie stets einen Anwalt hinzuziehen. Er kann Ihnen auch behilflich sein, einen qualifizierten und anerkannten Vorbereiter zu finden.

Wann Sie einen Abstinenznachweis liefern müssen.

Es kann sein, dass Sie Abstinenznachweise liefern müssen, die besagen, dass Sie über einen vorgeschriebenen Zeitraum alkohol- bzw. drogenfrei gelebt haben. Diese Screenings können nur bei dazu lizenzierten Instituten und auch nur unter Aufsicht nach vorgegebenen Regeln absolviert werden. Die Listen der dazu zugelassenen Institute können Sie bei den Verkehrsanwälten, MPU-Vorbereitern oder Führerscheinstellen anfordern.

Dabei können Sie zwischen Urinscreenings oder Haaranalysen wählen.

a) Urinscreening:

Für den Abstinenznachweis von Drogen bzw. Alkohol mit Hilfe des Urinscreenings gilt:
6 Monate – 4 Urinkontrollen
12 Monate – 6 Urinkontrollen

b) Haaranalyse:

Für den Nachweis einer einjährigen Drogen- bzw. Alkoholabstinenz mit Hilfe der Haaranalyse sind ausreichend lange und unbehandelte Haare notwendig, dabei entspricht 1 cm Haar einem Monat.
 
Alkohol: 4 Haaranalysen, 3 cm langes, kopfnahes Haar
Drogen: 2 Haaranalysen, 6 cm langes, kopfnahes Haar

 

Urin- und Blutprobe trotz Abstinenznachweis?

Bei Alkoholauffälligkeiten erfolgt bei der Begutachtung grundsätzlich eine Blutentnahme, bei einer Drogenauffälligkeit müssen Sie immer einer Urinkontrolle unter Aufsicht abgeben. Das gilt auch dann, wenn Sie einen Abstinenznachweis erbringen mussten.
WELCHE ERGEBNISSE GIBT ES BEI EINEM MPU-GUTACHTEN?
Normalerweise erhalten Sie Ihr Gutachten 2 Wochen nach Eingang aller Untersuchungsergebnisse. Wichtig ist, dass Sie allein Anspruch darauf haben, das Gutachten zugesandt zu bekommen. Verhindern Sie unbedingt, dass das Gutachten unmittelbar der Führerscheinstelle zugesandt wird. Denn wenn sich das – ggf. negative – Gutachten erst einmal in der Führerscheinakte befindet, bekommen Sie es dort nie wieder heraus. Und wenn sich herausstellen sollte, dass die ganze MPU-Anordnung von Anfang an rechtswidrig war, sich nun aber ein negatives MPU-Gutachten in der Akte befindet, beweist das nachträglich Ihre Ungeeignetheit und heilt sozusagen den Mangel der Rechtswidrigkeit!

Dabei kann das Gutachten auf 3 unterschiedlichen Arten ausfallen:

  1. Glückwunsch, Sie haben es geschafft! Sie konnten die Gutachter überzeugen, dass kein Eignungsmangel (mehr) vorliegt. Mit ihrem positiven Gutachten erhalten Sie automatisch Ihren Führerschein zurück.
  2. Sie haben es fast geschafft. Aber so ganz konnten Sie die Gutachter noch nicht überzeugen. In diesem Fall steht in Ihrem MPU-Gutachten die Empfehlung an einer Nachschulung nach §70 (FeV) teilzunehmen. Nach erfolgreicher Absolvierung erhalten Sie dann ohne eine weitere Prüfung Ihren Führerschein zurück.
  3. Fällt Ihre Bewertung negativ aus, konnten Sie die Gutachter nicht überzeugen und Sie müssen weitere Nachweise erbringen. Danach müssen Sie sich zu einer erneuten MPU anmelden.

 

Wieso Sie auch nach Wiedererlangung der Fahrerlaubnis nicht sicher sein können.

Leider ist die Fahrerlaubnis, die wiedererteilt wurde, latent bedroht. Denn wer sich nach einem Entzug seiner Fahrerlaubnis neue Punkte in Flensburg oder neue Verfehlungen leistet, sieht sich unter gewissen Umständen schon wieder dem Fahrerlaubnisüberprüfungsverfahren seitens der Fahrerlaubnisbehörde ausgesetzt. Dabei kann auch erneut eine MPU angeordnet werden. Schon kleinste Fehler im Straßenverkehr können dann unter Umständen wieder zum sofortigen Verlust der Fahrerlaubnis führen

Expertentipp:

Wie Sie den Idiotentest legal umgehen können

Es gibt immer wieder Anordnungen zur MPU, bei denen sich ein Widerspruch durch einen Anwalt lohnt. Wenn Sie nach aller Prüfung durch Ihren Anwalt dennoch zur Untersuchung müssen, bleibt Ihnen nur noch eins: Ausharren. Und zwar 10 bzw. 15 Jahre lang. Dann verjährt nämlich die Nachweispflicht der MPU. Einziges Manko: Sie müssen auch 10 bzw. 15 Jahre lang auf Ihren Führerschein verzichten.
Eine andere Alternative ist dann noch ein ausländischer EU-Führerschein. Aber das ist ein besonderes Kapitel, über das Sie nur ein Verkehrsrechtsanwalt ausführlich beraten kann.